Euer Frieden verdient den Krieg



Das erfreulich an der diesjährigen Demo zum Al-Quds-Tag war, wie wenig Menschen gekommen sind - laut Polizei 300 Demonstranten, ich hätte eher auf ein bisschen mehr getipt, aber auf jeden Fall viel weniger als die im Berliner Fenster angekündigten 1500, und die letztes Jahr zusammengekommenen 800 (ist die Zahl korrekt?) - die Anzahl der Gegendemonstranten wird auf 200 geschätzt. Nachdem sich Irans Präsident Ahmadineschad diese Woche damit hervorgetan hat, öffentlich die Vernichtung Israels zu fordern, hatte Innensenator Körting verboten, dass dessen Konterfei auf der Demo zur Schau getragen wird. Nicht verboten war aber das Bild Khomeinis, der 1979 den Al-Quds Tag ins Leben rief, um jährlich gegen die Existenz Israels zu protestieren, und den Ahmadineschad in seinen Äußerungen praktisch paraphrasierte. Khomeini und mit Photoshop verkitschte Bilder vom Felsendom waren dann auch die meistgesehenen Mitteilungen. Ungeachtet des Ursprungs dieses Tages und seiner sehr eindeutigen Botschaft hieß es, es gäbe keinen Grund und keine Möglichkeit, die Demo zu verbieten. Nun ja. Schon letztes Jahr waren Sprechchöre verboten gewesen, bzw. war angekündigt, dass die Demonstration still marschieren würde, da die Sprüche über die Vernichtung Israels und der USA dann doch zu viel Staub aufgewirbelt hatten. Wenn sie das nicht sagen dürfen, bleibt eben nicht mehr viel übrig. Von einem Lautsprecherwagen aus wurde jedoch immer wieder verkündet, dass Muslime Terrorismus in jeder Form verurteilen und dass hier für Frieden und Gerechtigkeit für alle Menschen demonstriert würde. Dass "Terrorismus in jeder Form" dann doch wieder hauptsächlich israelischen "Staatsterrorismus" meint, und die Forderung nach Frieden und Gerechtigkeit für alle Menschen suggeriert, dass islamistische Attentäter doch auch nur Opfer seien, und verschleiert, wie viel mehr Muslime eben von anderen Muslimen, und nicht von Israel oder Amerika oder sonst wem unterdrückt werden, nun, das sind natürlich nur meine gewagten Interpretationen. Israel selbst wurde an keiner Stelle erwähnt. Ein merkwürdiges Bild ist eine konsequent nach Geschlechtern getrennte Demonstration so oder so.

Bessere Zeiten schreibt dies und noch mehr über die doch recht merkwürdige Gegendemo:
Überhaupt, hinter den Absperrungen: die Teilnehmerzahl der Gegenkundgebung verhielt sich reziprok und erreichte eine beachtliche Menge, auf manche hätte ich aber doch ganz gerne verzichtet. Auf die iranischen Exilanten, die eine konstitutionelle Monarchie verfechten, auf Bütikofer und Pau, auf die Friedensbewegten, die ausgerechnet dann, wenn ein paar Leute offensiv mit einem Transpi auf den Aufmarsch zu laufen, anfangen “Hevenu shalom alejchem” zu singen. Ich war sicherlich nicht der einzige Antifa, dem bei der versammelten sogenannten Zivilgesellschaft ein bißchen flau im Magen wurde.


Und, weil es so bezeichnend ist, hier noch der Abschnitt aus der Berliner Zeitung darüber, was den Demonstranten alles verboten war:
Wegen der Drohungen Irans erwogen Polizei und Innenbehörde am Freitag vorübergehend ein Verbot des Aufmarsches. Doch dies gilt als juristisch schwer durchsetzbar, weil die vorwiegend arabischen Demonstranten aus dem ganzen Bundesgebiet aus Angst vor Verboten bereits im vergangenen Jahr beschlossen hatten, auf laute Hass-Parolen zu verzichten und schweigend durch Berlin zogen. Dieses Mal soll es genauso sein. Die Innenbehörde befürchtet jedoch, dass Demonstranten sich die Äußerungen des iranischen Präsidenten, etwa durch Transparente, zu eigen machen. "Dementsprechend wird dies den Veranstaltern durch Auflagen untersagt", sagte Sprecher Martin Steltner. "Ein Verstoß dagegen kann zur Auflösung des Aufzuges führen." Polizisten mit Arabischkenntnissen und Dolmetscher werden alle Plakate kontrollieren. Die Versammlungsbehörde erließ zudem weitere Auflagen. Danach ist das Verbrennen von Puppen und Fahnen ebenso verboten wie die Verherrlichung von Selbstmordanschlägen oder das "Beleidigen von Personen oder Personenmehrheiten" in Wort, Schrift und Bild.

Das musste ja mal gesagt werden.

Edit: Warum Deutschland so erpicht darauf ist, den Iran mit diplomatischen Mitteln von seinem Atomprogramm abbringen zu können, beschreibt gerade mal wieder der Focus. Gefunden bei Volker Radke: Deutsche Interessen gegen Israel.
29.10.05 19:22
 
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