Musik

immer wieder aufknacken, alles aufknacken!



Attwenger in der Skug:

Falkner: Wir machen keine Brauchtumspflege. Wir pflegen unsere eigene Geschichte.
Binder: Und die zerst?ren wir auch wieder, [...]
20.12.05 15:36


Auswanderung für einen Abend



Am Freitag spielt DJ/Rupture mit seiner Band Nettle im Ausland. Mehr Infos hier.
5.12.05 13:34


Musikinstrumenten-Museum Berlin, 21.10.05



Ich war heute mit Philip im Musikinstrumenten-Museum, vorgeblich um f?r einen Artikel ?ber die Geschichte der elektronischen Musikerzeugung zu recherchieren, vielmehr aber einfach um mich an dekadenten Tasteninstrumenten und Wurstfagotten, von deren Existenz ich vorher wirklich nichts geahnt habe, zu erfreuen. Eine besondere Schw?che haben wir schon l?nger f?r das Trautonium, ein fr?hes elektronisches Musikinstrument, entwickelt von Friedrich Trautwein, dessen ?u?erst vielseitig manipulierbarer, teilweise wirklich gro?artiger Klang uns immer wieder zu der Phantasie hinriss, doch selbst mal eines nachzubauen. Das scheitert bisher am nicht bzw. in zu geringer Menge vorhandenen Geld. Auch zu h?ren bekamen wir es heute nicht - es wurde uns allerdings mitgeteilt, dass die M?glichkeit besteht, einen extra F?hrungstermin zu machen, bei dem dann nach entsprechender R?cksprache auch eine Vorf?hrung des Trautoniums m?glich sei.Interessenten bitte bei mir melden!

Ich wusste bisher nicht, dass ich ein brummendes Harmonium brauche, aber im Moment erscheint mir der Gedanke geradezu zwingend. Allerdings hat mich das The Mighty Wurlitzer Monster nicht wirklich ?berzeugt. Es klang merkw?rdig fad. Ich mag es lieber bratzend, surrend, klingelnd - aber auch wo die Riesenwurlitzer diese Eigentschaften hat, ist sie so sehr Breitwand-Kino, dass meine Ohren schon zu gehen, bevor sie wirklich angefangen haben, irgendwas zu h?ren.

Ein wenig Genugtuung verschafft mir das "F?hrungsblatt No.21", das da sagt:
F?r einen Computer ist es bisher noch nicht m?glich, Mischkl?nge wie Akkorde oder Zusammenkl?nge mehrerer verschiedener Musikinstrumente zufriedenstellend zu erkennen, ...

Da f?hlt man sich bei der Geh?rbildungs?bung doch gleich viel besser;-)
21.10.05 01:03


Breezeblock rocks



Dreckiges Lachen und Musik von Kid 606, Drop the Lime und DJ/Rupture diese Woche bei dem gro?artigen Breezeblock Netradio.
18.10.05 18:14


Electrelane im Festsaal Kreuzberg, 15.10.05



Die spielen ja gar nicht wie eine richtige Band, so abgehakt und so.
Ja, am Schlagzeug das ist schon ein Kerl.

So ?u?erten sich zwei aus dem erfreulich geringen deutschen Anteil des Publikums. Was diese S?tze verraten? Nun, einerseits ein v?lliges Unverst?ndnis gegen?ber der Musik und dem Umstand, dass Electrelanes abrupte Richtungswechsel inmitten eines Songs, die pl?tzliche Stille und der pl?tzliche L?rm, ebenso wie das ?ber einen langen Zeitraum sich stetig steigernde Tempo und die auf den Punkt gespielten, vor Spannung fast berstenden extrem langsamen Passagen erst recht "als Band" gespielt werden - anders geht das gar nicht. Ganz im Gegenteil erfordern diese Dinge ein besonderes Ma? an Koordination. Andererseits den immer noch verbreiteten Glauben, ein Mensch mit kurzen Haaren, in T-Shirt und Jeans, der hinter einem Schlagzeug sitzt, m?sse wohl ein Kerl sein. Ouch!

Ich war fr?h da, auch neugierig auf die Show der Liars, aber wirklich rocken konnten sie mich an dem Abend nicht. Es war schon Voodoo, Obertongesang loopen und als Teil des Beats benutzen ist nicht unspannend, aber ich war zu m?de f?r Monotonie, auch wenn sie mit der richtigen Portion Irrsinn dargeboten wurde.

Daraufhin war ich bei aller Verehrung ?berrascht, wie mich Electrelane mit ihrem ersten Ton sofort ins Mark trafen. Es war wie nach Hause kommen, nur besser, Sex und Honigmilch und damn, it hurts so good! Das hier hat wer anders ?ber sie geschrieben:
Last time I saw Electrelane play live - as part of Ladyfest London just over a year ago - they were superb, their songs starting with pounding unashamed pop before spiralling off into extended dronerock freakouts of astonishing rhythmic intensity, barely being kept under control by the hammering drums and organ until they left the ground completely, collapsing into chasms of avant garde bass fuzz and screeching forks-under-strings spaced out no wave guitar oblivion..
Ich zitiere, bin ich doch selbst um angemessene Worte verlegen. Ich w?rde ihre Musik nicht als besonders emotional bezeichnen - es ist nicht wirklich wichtig, ob es in einem Song gerade um Wut oder Trauer oder Freude geht. Hier steht die Musik vielmehr f?r sich und str?ubt sich dagegen, von solch einfachen Schemata vereinnahmt zu werden. Auch der Gesang wirkt wie ein weiteres Instrument; es wird nicht in jedem St?ck gesungen, und wenn, hat er nicht unbedingt eine f?hrende Rolle. Es ist, als ob jeder einzelne Ton genau so und nicht anders sein m?sse. Electrelanes Musik ist gepr?gt von Noise und Melodie, aber nicht so, dass das eine als Gegenpart des anderen benutzt w?rde, vielmehr ist der L?rm die Fortf?hrung, die Konsequenz der Melodie und umgekehrt. Einerseits von einer unglaublichen Catchyness, die sich oft schon beim ersten H?ren tief in die Gehirnwindungen eingr?bt, windet sie sich andererseits eher in Ornamenten um sich selbst. Nichts erscheint verfehlter, als die Abstraktion von den direkt benennbaren Gef?hlen als gef?hllos zu bezeichnen. Es ist, als ob genau diese Abstraktion K?rper und Geist direkter anspricht, als wenn die Musik erst noch den Umweg ?ber herk?mmliche Gef?hle nehmen m?sste.

Das hier ist die Transzendenz von Rock, ohne dabei aufzuh?ren zu rocken (ich meine das auch sehr konkret - es wurde nicht wenig mit der Geschwindigkeit von Hardcore gespielt, wenn nicht teilweise noch schneller - Respekt an die Drummerin!). Und es rockte mit jedem einzelnen Klang - Drosselung des Tempos steigerte nur die Spannung. Die teilweise unvermittelten Br?che m?ssten einen eigentlich aus der Trance herausrei?en, sie schienen sie aber nur auf ein neues Level zu heben - Wach und in Trance und Wach und in Trance... Die Br?che zwingen einen, sich nicht nur einlullen zu lassen, sondern tats?chlich hin zu h?ren. Diese Musik schmerzt und macht gl?cklich.

Vor den Zugaben war ich schon v?llig fertig, aber ich wollte nicht, dass dieses Konzert jemals wieder aufh?rt.

P.S.:Classless sucht auch recht hilflos nach Worten.
18.10.05 00:37


Hey baby, swing to it!



?This song is Copyrighted in U.S., under Seal of Copyright # 154085, for a period of 28 years, and anybody caught singin? it without our permission, will be mighty good friends of ourn, cause we don?t give a dern. Publish it. Write it. Sing it. Swing to it. Yodel it. We wrote it, that?s all we wanted to do.?
Woody Guthrie

Via the riddim method. Eines sch?nen Tages wird es vielleicht wirklich so einfach sein.
10.10.05 15:29


Tanz den Philogermanismus



Zum zehnj?hrigen Jubil?um der Zeitschrift Testcard


Freitag Nachmittag trampte ich als dankbare Leserin zur Geburtstagsfeier der Zeitschrift Testcard -die Testcard ist eine au?ergew?hnliche Erscheinung, sie besch?ftigt sich mit popul?rer Musik im weitesten Sinne (eigentlich gibt es eine Tendenz zu den eher unbeliebten Spektren popul?rer Musik - fr?her Hardcore & Industrial, abstrakte Elektronik, Anti-Folk, Riot Grrrlism, alles was irgendwie merkw?rdig bzw. queer klingt), und zwar mit dem Anspruch tiefer zu graben, als das in einem normalen Musikmagazin m?glich w?re. Es geht um die Hintergr?nde der Musik, um deren Rezeption & Funktion, Entwicklungen, Aussage & ?sthetik, Kunst & Politik, Gender & Kulturindustrie, Cultural Studies und Adorno. Zwei der Redakteure, Martin B?sser und Roger Behrens haben Texte zu der ehrenwerten I can't relax in Deutschland Kompilation beigesteuert. Dass sich dabei nicht immer alle einig sind geh?rt zum Konzept. Was mir an dem Abend begegnete erstaunte mich dennoch.

Die aktuelle Ausgabe Discover America wird eingeleitet von einem Editorial, in dem man unter anderem lesen kann:
Es gibt offenkundige Parallelen, wenn nicht Wechselbeziehungen zwischen Antiamerikanismus und einer sich stolz pazifistisch gerierenden Positionierung als von amerikanischen Machthabern verschm?htes "Old Europe" einerseits und einer reaktion?ren bis revanchistischen Geschichtsschreibung andererseits, die uns "die Deutschen" als ein gel?utertes wie auch einst von Hitler und Weltkrieg "unterjochtes Volk" verkaufen will - die Rede ist unter anderem von J?rg Friedrichs B?chern ?ber ein "Bombenopferland", von Guido Knopps ZDF History und von Filmen wie Das Wunder von Bern.

Auch dieses Editorial scheint von inneren Differenzen gezeichnet, denn es versucht einerseits diesen deutschen Antiamerikanismus zu verurteilen, und andereseits Georg W. Bush als Feindbild beizubehalten. Das Programm der Party bestand nun aus einer Spoken Word Performance von Penny Rimbaud begleitet von einer Dame an Saxophon und Querfl?te, einem Konzert des Duos JAPANTHER und anschlie?endem Getanze unter Beschallung des "Testcard DJ-Teams" (Motto: Tanz den Marcuse). Rimbaud war Mitglied der legend?ren Punk-Band Crass, die von der Testcard-Redaktion anscheinend geradezu mythisch verehrt wird (Zeugnisse davon finden sich in ihren Schriften). Ich war bisher immer neugierig auf diese band gewesen, hatte es aber nie geschafft, tats?chlich mal l?nger an einem St?ck etwas von ihnen zu h?ren. Das hei?t auch, dass ich Rimbaud gegen?ber eher positive Erwartungen hatte.

something deeper in politics


Ich kam an als es gerade losging, und ergatterte noch einen gepolsterten Stuhl direkt neben der B?hne. Ich fragte mich, ob das denn unbedingt sein m?sse, als seine Begleiterin anfing Saxophon zu spielen, und wunderte mich ein Bisschen ?ber die erste Nummer, die sich haupts?chlich um die Unschuld im Auge eines Hirten in der W?ste zu drehen schien, und darum, dass Rimbaud der Feind sei. Ich dachte mir "Ich muss das nicht verstehen" und klatschte artig als es vorbei war, weil ich Menschen, die sich auf einer B?hne so entbl??en grunds?tzlich ertsmal unterst?tzen m?chte. Schon einen Moment sp?ter bereute ich geklatscht zu haben - Rimbaud hat ein gro?es Bed?rfnis danach, wirklich verstanden zu werden, und war besorgt, ob das deutsche Publikum seinen englischen Texten ?berhaupt folgen k?nne. Deswegen erkl?rte er nochmal, worum es gerade gegangen war: Um die unschuldigen people of iraq, die einfache Bauern seien und work the earth und live of their hands work. Diese einfachen Menschen habe Bush zum Feind erkl?rt, und er, Rimbaud, wisse, dass diese Menschen nicht der Feind sein k?nnten. Ich kann nicht mehr rekonstruieren, wie er eigentlich darauf kam, aber er folgerte daraus, dass wohl er selbst der Feind sei. Fassungslos ob soviel gr??enwahnsinnigen Falschwissens - Bush hat niemals den people of iraq den Krieg erkl?rt, sie wurden immer als von Hussein Unterdr?ckte dargestellt, die zu befreien seien, und das Bild des einfachen Bauern wird f?r einen vom ?l lebenden und streckenweise von oben zwangsindustrialisierten ?berwachungsstaat auch kaum repr?sentativ sein - erschrak ich ob der Menge neben mir, die in der Zwischenzeit in Jubel ausgebrochen war.

Im weiteren Verlauf der Performance bezeichnete Rimbaud Bush als den president of the devil incarnate (das war quasi die Hookline von einer Nummer), meinte he alone is to blame, and he alone will fall, er gab seinem Bed?rfnis Ausdruck to return to something deeper in politics und w?nschte sich von Amerika Dinge wie honest work und values that are not egoistic. Seine Verachtung f?r die moderne Warenwelt - commodity als Schimpfwort - zog sich durch die ganze Vorstellung, sein Gegenprogramm war love. Ich musste grinsen als mir auffiel, dass er als Punk sich in wirklich nichts von einem drahtigen Althippie unterschied, weder in der Erscheinung noch in der Botschaft. Dass diese antiamerikanische Orgie aber auch noch mit ekligsten Philogermanismus (Nationalismus kann man das ja nicht nennen) einhergehen w?rde, war ein weiterer Shock als ich schon dachte, jetzt w?re das schlimmste wohl vorbei, erz?hlte er eine anr?hrende Geschichte aus seiner Kindheit: 1952 sei er mit seinem Vater im vom Krieg noch deutlich gezeichneten Deutschland gewesen, und sein Vater habe seinen Stolz dar?ber zum Ausdruck gebracht, dass sie - die Alliierten - den Deutschen dies angetan h?tten. Penny selbst sei tief besch?mt gewesen. Er meinte: That was the day I lost my father.

Es ist nicht erstaunlich, dass ein Kind in einem auf diese Art und Weise besiegten Land ob der Zerst?rung erschrickt. Es ist nur schlimm, wenn ein 62-j?hriger sich mit Stolz dieser Episode erinnert und es f?r eine wichtige Aussage h?lt, diese Geschichte zu erz?hlen. Kein Wort davon, warum Deutschland damals so aussah. Kein Wort von Weltkrieg und Judenmord und fanatischem Volkssturm. Mit ihm trauerte das Publikum um das arme zerbombte Deutschland.



Anschlie?end wurde ich Zeuge wie einer der Veranstalter von einem jungen Mann, der nach eigenen Angaben aus der Poetry Slam Scene kam, zur Diskussion gestellt wurde, warum ein so schlechter Performer denn eingeladen worden sei. Rimbaud habe offensichtlich v?llig verschlafen was im Spoken Word inzwischen gemacht werde, und es sei schlicht schlecht, direkt ins Mikro zu br?llen. Er selbst k?nne Lautst?rke und Intensit?t auch ohne Mikro zustande bringen, und das Mikro verschlucken w?rde nur dazu f?hren, dass die Anlage ?bersteuert und es dem Publikum in den Ohren weh tut, das sei doch nicht Rimbauds Intention gewesen. Die Verteidung zog sich auf dessen Verdienste mit Crass zur?ck, er sei halt ein wichtiger Zeitzeuge etc.. Als ich danach fragte, wie es denn die eigene Antiamerikanismus-Analyse und das Einladen dieses Gastes zusammengingen ?nderte sich daran nicht mehr viel. Als B?rger eines Staates, der Teil der Allianz gegen den Terror sei, habe er eben eine andere Perspektive und d?rfe das quasi. Au?erdem ginge es ja immer darum, beide Seiten zu h?ren (die andere wurde anscheinend von JAPANTHER vetreten). Es ging eine Weile hin und her bis ich irgendwann sagte "Widerstand" (es war weder definiert worden welcher Form noch wogegen ?berhaupt) sei f?r mich kein Wert an sich. Mein Gegen?ber meinte, f?r ihn eben schon, und dann brach die Diskussion ab, weil die Band anfing.

Ehrfurchtsstarre ?berall


JAPANTHER spielten gro?artige Popsongs, die st?ndig in heftigste Garagen- und Hardcoreeskapaden ausuferten. Pop als Intro, Gewittergrollen als Substanz. Und als sie einen Song uns allen, aber den Kindern im besonderen widmeten, und sich dieser Song als eine Hymne an das selfish kid herausstellte w?re ich fast wieder vers?hnt gewesen. Die Chance war vorbei, als Rimbaud f?r die Zugaben nochmal mit auf die B?hne kam und seinen Senf(jetzt im wesentlichen Grunzen und Quietschen) dazu geben durfte. Auch JAPANTHER huldigten dem alten Helden.



Danach ging ich erstmal was essen, da ich f?rchtete, sp?ter in der Nacht in einer Stadt wie Mainz vielleicht nichts mehr zu bekommen, und bereitete mich geistig auf ein paar Stunden Getanze und erbitterte Diskussionen vor, nur um bei meiner R?ckkehr ?berrascht festzustellen, dass die Party sich in der Zwischenzeit praktisch aufgel?st hatte und die ?briggebliebenen potentiellen Gespr?chspartner zu betrunken waren.

Fazit? Lieber erstmal noch keins.
3.10.05 01:40


Wonderful Credit Card Poetry



I love America because it's the only country where real (or fake) drug dealers make world-class music, which says something profound and possibly even redeeming about cutthroat capitalism and/or the work ethic shared by members of the crack cocaine supply-distribution network.


Schreibt DJ/Rupture. Leider ist die Quelle des angegebenen Beispiels schon vertrocknet.
2.10.05 14:40


 [eine Seite weiter] Gratis bloggen bei
myblog.de